Regionen / Dolomiten & Südtirol · Ratgeber

Skitouren in Südtirol: Reviere, Lawinenlage und Pistentouren

Tourengeher mit Rucksack auf Tourenski in einer Aufstiegsspur im Pulverschnee, dahinter goldene Dolomitenzacken im Abendlicht und Lärchen

Lärchenwald und weite Wiesenhänge im Sarntal, Felsen und Dolomitenkulisse rund um Sexten und den Kronplatz, Dreitausender mit Gletschern im Ortlergebiet: Südtirol bietet für Skitouren fast jedes Gelände. Das macht das Land reizvoll und verlangt zugleich Respekt. In Italien gilt für die Lawinenausrüstung eine gesetzliche Pflicht, Pisten darfst du nicht einfach hinaufsteigen, und der Lawinenbericht kommt aus einem Verbund von drei Regionen.

Hier bekommst du den Überblick: welche Reviere zu welchem Können passen, wie du den Südtiroler Lawinenlagebericht liest, welche Ausrüstung und welche Regeln gelten, was bei Pistentouren zu beachten ist und wann die Saison läuft. Technik, Fitness und die Grundlagen der Lawinenkunde findest du im Guide Skitouren für Einsteiger. Dieser Text baut darauf auf und ersetzt keinen Lawinenkurs.

Reviere im Überblick

Vorweg die wichtigste Einordnung: Kein Revier ist automatisch einsteigertauglich. Ob eine Tour passt, entscheiden Lawinenlage, Schneedecke, Gelände und deine Gruppe am Tag selbst. Einsteiger starten am besten geführt oder auf der Piste (mehr dazu weiter unten). Die Übersicht gibt dir nur eine Orientierung nach dem Charakter der Gegend. Auch die Tourenvorschläge der Südtiroler Tourismuswerbung richten sich an Erfahrene und raten Einsteigern zur Führung.

Wald und weite Hänge: das Sarntal

Das Sarntal liegt nah bei Bozen und ist trotzdem ruhig, auf den Touren ist wenig Betrieb. Rund um Durnholz, Reinswald und Pens führen Touren durch Lärchenwald und über weite, sonnige Hänge. Die Auswahl reicht von leicht bis anspruchsvoll. Manche Touren beginnen mit einem längeren Zustieg auf flachen Wegen, bevor die guten Hänge anfangen. In Reinswald gibt es außerdem eine eigene Aufstiegsspur für Tourengeher auf der Piste. Die Skigebiete und Orte der Umgebung stellt der Überblick zu Eisacktal, Sterzing und Sarntal vor.

Dolomitenkulisse: Kronplatz, Hochpustertal, Alta Badia, Villnöss

In den Dolomiten ist die Auswahl groß. Rund um den Kronplatz gibt es etwa ein Dutzend Touren mit überwiegend mittlerem Anspruch, mehr zum Gebiet selbst steht im Kronplatz-Porträt. Im Hochpustertal führen Touren mit Blick auf die Drei Zinnen, dazu kommen Villnöss und Lüsen. Alta Badia gilt als beliebt bei Tourengehern, verlangt aber Kondition und Geländekenntnis, und ein Bergführer ist dort empfohlen.

Hochalpin: Ortler, Martelltal, Schnalstal, Ahrntal

Im Westen und Norden wird es hochalpin. Das Ortlergebiet rund um Sulden bietet zahlreiche anspruchsvolle Touren auf Dreitausender im Nationalpark Stilfserjoch. Für Suldenspitze und Monte Cevedale brauchst du Gletscherausrüstung. Das Gebiet stellt das Sulden-Porträt vor. Das Martelltal führt an den Fuß der Ortler-Cevedale-Gruppe und ist für seine vielen Touren bekannt, rundum stehen Dreitausender. Im Schnalstal verkürzt die Pendelbahn den Anstieg zu den Skihochtouren in den Ötztaler Alpen, viele davon führen über Gletscher. Es gibt dort geführte Touren und die mehrtägige Schnalser Skirunde. Dazu mehr im Schnalstal-Porträt. Im Ahrntal bis hinauf nach Prettau liegen ebenfalls anspruchsvolle Touren.

Weitere Täler: Wipptal und Passeiertal

Auch in den Seitentälern um Sterzing, etwa in Ridnaun und im Jaufental, sowie im Passeiertal gibt es Touren. Sie richten sich überwiegend an Erfahrene. In Pfelders im Passeiertal kommt eine Pistentour dazu, mehr dazu im Abschnitt zu den Pistentouren.

Revier Charakter Passt für
Sarntal Wald, weite Hänge, ruhig leicht bis anspruchsvoll, für den Einstieg mit Führung
Kronplatz, Hochpustertal, Alta Badia, Villnöss Dolomitenkulisse, überwiegend mittlere Touren Geübte, Einsteiger mit Führung
Ortler, Martelltal, Schnalstal, Ahrntal hochalpin, teils Gletscher Erfahrene, bei Gletschertouren mit Hochtourenkenntnis

Der Lawinenlagebericht für Südtirol

Der Lagebericht ist dein wichtigstes Planungsinstrument, auch in Südtirol. Prüfe ihn vor jeder Tour. Er erscheint als gemeinsamer Euregio-Lawinenreport der Warndienste von Tirol, Südtirol und Trentino unter lawinen.report, in mehreren Sprachen, darunter Deutsch, Italienisch und Englisch. Eine neue Fassung kommt täglich um 17 Uhr und gilt für den folgenden Tag. Am Vorabend planst du also, am Tourentag gleichst du ab.

Veröffentlicht wird erst, wenn genug Schnee liegt. Das ist meist Ende November oder Anfang Dezember der Fall. Die Berichtssaison endet in der Regel im April, manchmal erst Anfang Mai.

Die europäische Skala hat fünf Stufen von gering bis sehr groß. Wie der Bericht aufgebaut ist und was die Stufen bedeuten, erklärt der Einsteiger-Guide. Die Stufe gibt dir die erste Einordnung, ersetzt aber nicht die Beurteilung des einzelnen Hangs. Dazu nutzt du Gefahrenstellen und Gefahrenmuster, um den einzelnen Hang einzuschätzen, zum Beispiel auf windverfrachteten Schnee oder schwache Schichten. Für Südtirol merkst du dir zwei Dinge:

  • Stufe 1 heißt nicht, dass keine Gefahr besteht. Auch bei gering oder mäßig können in Steilhängen und bei ungünstigem Schneedeckenaufbau kritische Situationen entstehen.
  • Der Bericht beschreibt eine Region, nicht deinen Hang. Gleiche ihn im Gelände mit Wetter, Beobachtungen und der Verfassung deiner Gruppe ab. Im Zweifel drehst du um.

So planst du die Tour

Plane die Route mit Blick auf Hangrichtung, Steilheit und Höhenlage, passend zum Bericht. Beobachte unterwegs, wie sich das Wetter entwickelt, und gleiche den Bericht laufend mit dem ab, was du im Gelände siehst. Im steilen Gelände hältst du Abstände zwischen den Gruppenmitgliedern. Rechne für Aufstieg und Abfahrt genug Zeit ein, denn Sicherheit geht vor dem Gipfelziel. Das Ziel richtet sich nach Können, Fitness und dem Tempo der Gruppe, nicht umgekehrt.

Pflicht in Italien: LVS, Sonde, Schaufel

Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), Sonde und Schaufel gehören bei jeder Tour ins Gepäck. In Italien ist das seit dem 1. Januar 2022 Pflicht für alle, die in lawinengefährdetem Gelände unterwegs sind: bei Ski- und Pistentouren, beim Schneeschuhgehen und beim Winterwandern. Wer abseits der Pisten unterwegs ist, muss sich vorher über die Lawinenlage informieren. Die Pflicht ersetzt weder Planung noch Lawinenkunde.

  • LVS: Digitale Geräte mit drei Antennen sind Stand der Technik. Geräte mit nur einer oder zwei Antennen gelten als überholt. Prüfe das Gerät vor jeder Tour im Sende- und im Empfangsmodus, in der Gruppe alle Geräte.
  • Sonde: Sie sollte sich auf mindestens rund 2,40 Meter spannen lassen.
  • Schaufel: Ein robustes Aluminiumblatt und eine feste Verbindung zwischen Blatt und Stiel zählen mehr als wenige Gramm Gewicht.

Ein Lawinenairbag ergänzt diese Ausrüstung, ersetzt sie aber nicht. Dazu gehören Erste-Hilfe-Set, Biwaksack und Mobiltelefon, der Notruf lautet 112. Und die beste Ausrüstung hilft nur, wenn du sie beherrschst: Übe die Suche regelmäßig und besuche einen Lawinenkurs möglichst am Anfang deiner Tourenzeit.

Dazu kommen weitere Regeln, die auch Tourengeher betreffen:

  • Helm: In ganz Italien gilt seit der Saison 2025/26 für alle Altersgruppen die Helmpflicht auf Pisten. Sie gilt auch für Tourengeher bei der Abfahrt auf präparierten Pisten, und der Helm muss CE-zertifiziert sein.
  • Haftpflicht: Als Pistennutzer brauchst du einen Nachweis über eine Haftpflichtversicherung. Als Nachweis gilt zum Beispiel die Mitgliedskarte eines Alpenvereins.
  • Alkohol: Skifahren unter Alkoholeinfluss ist in Italien seit dem 1. Januar 2022 verboten. Als Maßstab gelten die Werte des Straßenverkehrs, ab 0,5 Promille drohen Bußgelder von 250 bis 1.000 Euro.
  • Wildtiere: Halte Abstand, meide Schutzgebiete und Aufforstungen. Der Alpenverein Südtirol gibt dazu mit dem Jagdverband einen Folder heraus.

Pistentouren: Regeln und Angebote der Gebiete

Pistentouren bieten sich als Einstieg an. In Italien gilt aber eine Besonderheit: Der Aufstieg mit angeschnallten Ski über Skipisten ist nach dem Skipistengesetz grundsätzlich verboten, im Skibetrieb ebenso wie nach Betriebsschluss. Erlaubt ist er nur dort, wo der Betreiber ihn freigibt, etwa mit einer eigenen Aufstiegsspur, einem markierten Weg, einem Pistentourenticket oder an festen Abenden. Dann gehst du ausschließlich auf den ausgewiesenen Wegen. Ausnahmen gibt es sonst nur für Notfälle, und wer das Verbot missachtet, muss mit einem Bußgeld rechnen. Eine Übersicht der Gebiete mit und ohne Pistentouren-Erlaubnis veröffentlicht der Alpenverein Südtirol.

Zuletzt boten diese Gebiete Aufstiegsspuren oder Tourenabende an:

  • Rittner Horn
  • Reinswald im Sarntal
  • Gitschberg Jochtal
  • Meran 2000
  • Pfelders im Passeiertal
  • Schöneben-Haideralm im Vinschgau
  • Klausberg im Ahrntal
  • Watles im Vinschgau

Wochentage, Zeiten und Konditionen legt jedes Gebiet selbst fest und ändert sie von Winter zu Winter. Am Rittner Horn finden die Pistentouren-Abende zuletzt mittwochs statt, im Hochwinter und abhängig von der Schneelage. Selbst die Endzeiten der Tourenabende haben sich von einem Winter zum nächsten verändert, etwa am Klausberg. Ob ein Gebiet in diesem Winter dabei ist und zu welchen Bedingungen, erfährst du nur beim Gebiet selbst. Frage Termine, Zeiten und Preise deshalb immer vor der Tour dort nach.

Zwei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Regeln ausfallen. Am Rittner Horn stehen die Anlagen während der Abende still, du steigst entlang der Piste auf und fährst über die Pisten ab, ohne Beleuchtung. Auf Meran 2000 führt ein markierter Aufstieg nach oben. Dort darfst du die Route nicht verlassen, an den Abendterminen muss die Abfahrt zu einer festgelegten Uhrzeit beendet sein, und die Tour ist nur bei ausreichend Schnee möglich.

Auf Pistentouren gilt:

  • Schneelage: In schneearmen Wochen können Aufstiegsspuren teilweise oder ganz gesperrt sein. Frage vorher nach.
  • Dunkelheit: Abends sind die Pisten nicht beleuchtet. Nimm Stirnlampe oder Fackel mit.
  • Keine Pistenrettung: Nach Betriebsschluss ist sie nicht garantiert, du bist auf eigene Verantwortung unterwegs.
  • Präparierung: Bei Pistenarbeiten sind die Pisten gesperrt. Seilwinden von Pistenraupen sind lebensgefährlich. Kläre vorab, wann präpariert wird, und sei rechtzeitig unten.
  • Lawinenausrüstung: Die Pflicht gilt auch bei Pistentouren.

Eine Pistentour ist damit kein Selbstläufer: Du bist nach Betriebsschluss auf eigene Verantwortung unterwegs, und die Pflichtausrüstung gehört trotzdem in den Rucksack. Die zehn Alpenvereinsregeln für Touren auf Pisten stehen im Einsteiger-Guide.

Zeitfenster der Saison

Die Tourensaison reicht in Südtirol meist von Dezember bis April, je nach Schneelage. Im Sarntal gelten Januar bis März als beste Zeit. Auch die Abendtermine der Gebiete liegen meist zwischen Januar und März. Im Frühwinter hängt viel vom Naturschnee ab, da sind Pistentouren oft nur eingeschränkt möglich. Im Dezember 2025 etwa lag wenig Naturschnee, und Aufstiegsspuren waren teils nicht begehbar. Die Helmpflicht auf Pisten gilt dagegen von Saisonbeginn an. Der tägliche Lagebericht erscheint erst, wenn genug Schnee liegt. Davor gibt es keine tägliche Prognose.

Nicht jede Hütte hat im Winter durchgehend geöffnet, frage vor der Tour nach. Zur Anreise nach Südtirol im Winter lies den Guide zu Auto, Bahn und Flug.

Geführt starten: Bergführer, Kurse, Tourenwochen

Alpinschulen und Bergführer in Südtirol bieten geführte Tagestouren, mehrtägige Skitourenkurse mit Lawinenkunde und Skitourenwochen an, für Einsteiger und für Fortgeschrittene. Die Führung wählt die Tour passend zu Lage und Gruppe. Das lohnt sich besonders in den hochalpinen Revieren mit Gletschern und im Gelände, das du nicht kennst. Einen Lawinenkurs bieten Alpenvereinssektionen, Hersteller, Tourismusregionen und Bergführer an, am besten besuchst du ihn gleich zu Beginn deiner Tourenzeit. Termine und Preise erfragst du bei den Anbietern.

Vor der Tour: der Kurzcheck

  • Lagebericht am Vorabend lesen und am Tourentag abgleichen.
  • LVS, Sonde und Schaufel dabei, Gerätecheck in der Gruppe.
  • Helm und Nachweis der Haftpflicht dabei.
  • Bei Pistentouren Aufstiegsspur, Zeiten und Schneelage beim Gebiet erfragen.
  • Ziel, Route und Rückkehrzeit jemandem mitteilen. Gruppen bis zu sechs Personen erhöhen die Sicherheit.
  • Wildtiere und Schutzgebiete respektieren, bei Hütten vorab die Öffnung im Winter erfragen.
  • Im Zweifel umkehren. Der Gipfel läuft nicht weg.

Fazit

Südtirol bietet von ruhigen Waldtouren im Sarntal bis zu Gletscherzielen am Ortler fast alles, was Skitourengeher suchen. Sicherheit beginnt am Vorabend mit dem Lagebericht und endet nicht beim Pflichtset aus LVS, Sonde und Schaufel, das du beherrschen musst. Für Einsteiger bieten sich eine Pistentour oder eine geführte Tour an, Hochtouren gehören in die Hand von Erfahrenen. Wer neu einsteigt, besucht am besten früh einen Lawinenkurs und übt die Suche regelmäßig. Und weil Zeiten und Termine der Gebiete jeden Winter neu festgelegt werden, lohnt vor jeder Tour der Blick auf die aktuellen Infos.

Zusammengestellt aus Angaben der Skigebiete, Tourismusverbände und Fachportale, Stand November 2026. Preise und Termine können sich ändern.