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Schnalstal: Gletscher auf 3.212 Metern, früher Start und Ötzi

Das Schnalstal zweigt bei Naturns vom Vinschgau ab und zieht sich als langes, stilles Seitental in die Ötztaler Alpen. Ganz hinten liegt Kurzras auf 2.011 Metern, und von dort bringt dich eine Pendelbahn in knapp sechs Minuten auf 3.212 Meter an den Hochjochferner-Gletscher. Das Gebiet liegt komplett über 2.000 Metern, macht schon im September auf, und von der Grawand reicht der Blick bis zur Fundstelle von Ötzi, dem Mann aus dem Eis.
Das Gebiet im Überblick
Das Schnalstal ist ein gut 20 Kilometer langes Seitental des Vinschgaus und endet am Alpenhauptkamm. Talaufwärts liegen Katharinaberg, Karthaus, Unser Frau, Vernagt und zuletzt Kurzras. Kurzras ist der höchste Ort und die Talstation der Gletscherbahn, kein gewachsenes Skidorf, sondern ein Ort rund um die Bahn.
Das Skigebiet reicht von 2.011 Metern in Kurzras bis auf 3.212 Meter an der Grawand, das sind gut 1.200 Höhenmeter. Es sind rund 30 bis 40 Pistenkilometer, bedient von 11 Aufstiegsanlagen. Das ist ein überschaubares Gebiet. Du kommst wegen der Höhe und des Gletschers, nicht wegen der Auswahl.
Das Schnalstal gehört zur Südtirol Skiarena, die bis zum Ende der Saison 2025/26 noch Ortler Skiarena hieß und 18 Skigebiete umfasst. Zum Verbund Dolomiti Superski gehört es nicht, einen gemeinsamen Pass mit den Dolomiten gibt es also nicht. Wie die Gebiete im Land zusammenhängen, steht im Überblick zum Skiurlaub in Südtirol.
Pisten und Anlagen
Die Pisten sind überwiegend mittelschwer, Anfängergelände gibt es wenig, dazu kommen einige steile Abschnitte. Steil sind vor allem Teufelsegg und die Leo-Gurschler-Piste: Sie ist nur rund 550 Meter lang, hat aber bis zu 60 Prozent Gefälle. An der Grawand liegen die Slalom- und Riesenslalomhänge, auf denen im Herbst Nationalteams und Vereine trainieren. Technische Beschneiung ergänzt die Gletscherpisten. Die längste Strecke ist die Talabfahrt über die Schmugglerscharte nach Kurzras. Sie ist bis zu rund 8 Kilometer lang und je nach Schneelage geöffnet.
Der Hauptzugang zum Gletscher ist die Pendelbahn von Kurzras zur Grawand. Sie ist seit dem Winter 2023/24 in Betrieb und hat die Bahn von 1975 abgelöst. Die vollverglasten Kabinen fassen 80 Personen, die Fahrt überwindet rund 1.200 Höhenmeter in knapp sechs Minuten. Die Förderleistung liegt bei rund 800 Personen pro Stunde, früh hochzufahren lohnt sich.
Die zweite große Bahn ist die Lazaun-Umlaufbahn. Sie bringt dich in weniger als vier Minuten auf das Lazaun-Plateau auf rund 2.430 Metern. Dort liegen Übungspisten, die Familienpiste, die Rodelbahn und die Loipe.
Skitouren
Das Schnalstal ist ein Ausgangspunkt für Skitouren und Skihochtouren in den Ötztaler Alpen, die Pendelbahn spart dir einen großen Teil des Anstiegs. Häufige Ziele sind der Similaun (3.606 Meter), die Weißkugel (3.739 Meter), die Fineilspitze (3.514 Meter) und die Schwemser Spitze (3.459 Meter). Dazu gibt es die mehrtägige Schnalser Skirunde und geführte Touren. Bei Tourengehern beliebt ist das Schutzhaus Schöne Aussicht auf 2.842 Metern.
Viele dieser Touren führen über Gletscher. Dafür brauchst du komplette Gletscherausrüstung, Erfahrung und stabiles Wetter, im Zweifel einen Bergführer. In Italien gilt außerdem: Wer abseits der Pisten in Gebieten mit Lawinengefahr unterwegs ist, muss Lawinenverschüttetensuchgerät, Schaufel und Sonde dabeihaben. Das gilt auch für Schneeschuhgänger und Winterwanderer. Den Lawinenlagebericht des Landes Südtirol liest du vor jeder Tour.
Rodeln, Langlauf, Winterwandern
Die Rodelbahn am Lazaun ist rund 3 Kilometer lang. Langläufer haben die Hochjoch-Höhenloipe auf dem Gletscher von etwa Mitte Oktober bis Dezember und danach die leichte Lazaun-Loipe von Dezember bis April. Dazu gibt es geräumte Winterwanderwege durch das Tal.
Für wen eignet sich das Gebiet?
Frühstarter: Wer im Herbst schon auf Ski stehen will, hat hier die frühesten Chancen der Region. Rechne im Herbst aber mit einem kleinen Teil des Gebiets, in dem auch Teams trainieren.
Familien und Anfänger: Das Kinderland hat ein Tipi-Zelt, zwei Zauberteppiche und ein Skikarussell, Übungshänge liegen am Glockenlift und am Lazaun, die Familienpiste am Lazaun ist rund 2 Kilometer lang. Die Ski- und Snowboardschule bietet Kurse, Verleih und Depot gibt es in Kurzras. Mehr zum Reisen mit Kindern steht im Ratgeber Skiurlaub mit Kindern in Südtirol.
Sportliche und Tourengeher: Teufelsegg, Leo Gurschler und die lange Talabfahrt reichen für einen guten Tag, auch wenn die Auswahl klein bleibt. Für Tourengeher ist das Tal ein spannender Ausgangspunkt, mit entsprechenden Ansprüchen an Ausrüstung und Erfahrung.
Weniger passend: Wer Abwechslung, viele Pistenkilometer oder Nachtleben sucht, ist anderswo besser aufgehoben. Die Anfahrt durch das lange Seitental gehört zur Lage.
Saison und Skipass 2026/27
Die Saison hat drei Phasen. Am 19. September 2026 war der Auftakt, zunächst mit einem kleinen Bereich an der Grawand, in dem vor allem trainiert wird. Die volle Wintersaison läuft vom 7. November 2026 bis zum 2. April 2027. Danach geht der Betrieb am Gletscher planmäßig bis zum 9. Mai 2027 weiter, abhängig von Schnee und Wetter. Im Vorjahr war das ganze Gebiet erst Ende November komplett offen, die Pisten gingen nach und nach auf. Betrieben wird ungefähr von 9 bis 16 Uhr, im Herbst früher für das Training.
Die Bergbahnen sprechen von Schneegarantie von Herbst bis Frühjahr, und der regelmäßige Start um das dritte Septemberwochenende spricht für die Lage. Ganz offen ist das Gebiet dann aber noch lange nicht.
| Ticket (Erwachsene) | Preis 2026/27 |
|---|---|
| Tageskarte Hochsaison | 63 € |
| Tageskarte je nach Zeitraum | 50 bis 68 € |
| Snowkid-Ticket (Kinder) | 5 € pro Tag |
Zur Hochsaison zählen der 26. Dezember bis 8. Januar, der 30. Januar bis 26. Februar und der 20. März bis 2. April. Am günstigsten ist die Tageskarte im Frühwinter ab dem 7. November und in der Nachsaison ab dem 3. April, im Herbst bei Teilbetrieb liegt der Preis am oberen Ende der Spanne.
Das Snowkid-Ticket gilt für Kinder ab Jahrgang 2017 und jünger, wenn mindestens ein Elternteil eine gleichwertige Karte kauft. Außerdem gibt es einen Familientarif ab drei vollzahlenden Familienmitgliedern, darunter mindestens ein Elternteil, mit Familiennachweis. Wie sich der Südtirol Skipass der Skiarena zu anderen Pässen im Land verhält, steht im Vergleich der Skipässe in Südtirol.
Preise und Termine ändern sich: Prüf sie vor dem Kauf bei den Bergbahnen.
Anreise
Mit dem Auto: Die Zufahrt führt über Naturns im Vinschgau, von dort durch das Schnalstal bis Kurzras auf 2.011 Metern, wo auch die Talstation der Pendelbahn liegt.
Mit Bahn und Bus: Naturns hat einen Bahnhof an der Vinschgerbahn, die Meran mit dem Vinschgau verbindet. Prüf den aktuellen Fahrplan vor der Reise. Ab Naturns fährt die Buslinie 261 bis Unser Frau und Kurzras, stündlich, auch sonntags. Wer aus Meran kommt, steigt in Naturns um. Mit dem Südtirol Guest Pass fahren Gäste teilnehmender Unterkünfte kostenlos mit Bus und Bahn in Südtirol.
Mit dem Flugzeug: Aus dem Vinschgau sind Bozen, Innsbruck, Verona und München erreichbar, Bozen ist der nächste Flughafen. Mehr zu den Anreisewegen steht im Ratgeber Anreise nach Südtirol im Winter.
Hütten und Après
Am Lazaun-Plateau liegt die Lazaun Hütte mit sonniger Terrasse, am Ende der Teufelsegg-Abfahrten die Teufelsegg Hütte. Das Schutzhaus Schöne Aussicht, auch Rifugio Bella Vista, steht in der Nähe von Hintereis. An der Grawand gibt es den Ötzi Biwak, und an der Bergstation der Pendelbahn das Glacier Hotel Grawand mit Selbstbedienungsrestaurant und Panoramaterrasse auf 3.212 Metern.
Der Abend in Kurzras ist ruhig. Es gibt Gasthöfe, Hotels, Pubs und eine Disco, aber keine große Après-Szene. Wer zum Feiern kommt, ist hier falsch.
Ötzi und die Kultur im Tal
Am 19. September 1991 fand das deutsche Ehepaar Erika und Helmut Simon am Tisenjoch auf rund 3.200 Metern eine Gletschermumie, den Mann aus dem Eis. Ötzi ist rund 5.300 Jahre alt und seit 1998 im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen ausgestellt.
Über der Bergstation an der Grawand steht auf 3.251 Metern die Aussichtsplattform Iceman Ötzi Peak, von der Bergstation sind es rund zehn Minuten über eine Treppe. Von oben siehst du den Similaun, den Hochjochferner, die Wasserscheide und die Fundstelle. Frag an der Bergstation, ob die Plattform gerade zugänglich ist.
In Unser Frau liegt der ArcheoParc Schnalstal, ein Freilichtmuseum zu Ötzi und der Jungsteinzeit mit nachgebauten Häusern, Feuermachen, Brotbacken und Bogenschießen. Im Winter ist er geschlossen und öffnet im Frühjahr wieder, ein Ziel also für Herbst oder Frühjahr.
Tipps und Kompromisse
- Helmpflicht: In Italien gilt seit dem Winter 2025/26 die Helmpflicht für alle Altersgruppen auf Pisten, in Snowparks und auf Rodelbahnen. Langlauf ist ausgenommen, der Helm muss zertifiziert sein.
- Haftpflicht und Alkohol: Wer in Italien Ski oder Snowboard fährt, muss seit dem 1. Januar 2022 eine Haftpflichtversicherung nachweisen können. Ab 0,5 Promille drohen Geldbußen, ab 0,8 Promille ist es eine Straftat.
- Öffnung prüfen: Gerade im Herbst und Frühwinter ist nicht alles offen. Schau vor der Anreise, welche Lifte laufen und ob die Talabfahrt geöffnet ist.
- Termin wählen: Für mehr Pisten ist der Zeitraum ab dem 7. November besser als der September, für den günstigeren Tagespreis der Frühwinter besser als die Hochsaison.
Fazit
Das Schnalstal ist ein kleines, hochgelegenes Gletschergebiet für Frühstarter, Familien mit kleineren Kindern und Tourengeher. Du bekommst Höhe, einen langen Saisonrahmen, eine lange Talabfahrt und den Blick auf die Ötzi-Fundstelle. Wer Pistenvielfalt und Après-Programm sucht, ist in den großen Dolomitengebieten besser aufgehoben. Und wer Gletscherskifahren in Südtirol vergleichen will, schaut auch ins Porträt von Sulden.
Zusammengestellt aus Angaben der Skigebiete, Tourismusverbände und Fachportale, Stand November 2026. Preise und Termine können sich ändern.


