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Sellaronda im Detail: Orange oder Grün, Zeitplan und Tipps

Die Sellaronda ist eine Skirunde der Dolomiten: einmal um das Sellamassiv, durch vier Täler, im Wechsel aus Piste und Lift und ohne die Ski abzuschnallen. Wer sie fährt, braucht einen ganzen Skitag und muss vorher zwei Dinge entscheiden: in welche Richtung es geht und wann du losfährst. Dieser Ratgeber zeigt dir die Unterschiede zwischen Orange und Grün, die Liftfolge beider Richtungen, einen realistischen Zeitplan und das, was du für den Notfall einplanen solltest.
Was die Sellaronda ist
Die Runde führt über vier Pässe: das Grödner Joch im Norden, den Campolongopass im Osten, das Pordoijoch im Süden und das Sellajoch im Westen. Der Campolongopass liegt auf 1.875 Metern. Die Runde verbindet vier ladinische Täler: Gröden, Alta Badia (Gadertal), Arabba (Fodom) und das Fassatal. Typische Orte an der Strecke sind Wolkenstein, Colfosco, Corvara, Arabba und Canazei.
Zur Länge findest du je nach Anbieter unterschiedliche Zahlen. Ein belastbarer Rahmen: rund 40 bis 44 Kilometer, davon etwa 23 bis 26 auf Piste, der Rest sind Lifte. Die Anbieter nennen unterschiedliche Werte. Wichtiger ist die Struktur: Es ist ein geschlossener Kreis aus Liften und Pisten. Einen Busabschnitt gibt es auf der Strecke nicht.
Weil die Runde mehrere Gebiete verbindet, lohnt es sich, die Bausteine zu kennen. Wie Gröden aufgebaut ist, steht im Gebietsporträt Gröden und Seiser Alm, den Teil rund um Corvara und Colfosco beschreibt das Porträt von Alta Badia. Einen größeren Rahmen mit Anreise und den übrigen Revieren liefert unser Dolomiten-Überblick.
Orange oder Grün: die Richtung
Die Beschilderung ist farbcodiert. Orange heißt im Uhrzeigersinn, Grün heißt gegen den Uhrzeigersinn. Beide Richtungen sind fahrbar, ob beide offen sind, hängt von Schnee und offenen Anlagen ab. Es kommt vor, dass nur eine Richtung läuft, etwa zum Saisonstart, wenn eine Anlage noch fehlt, oder bei Lawinengefahr. Schau also kurz in den aktuellen Betriebsstatus, bevor du die Richtung festlegst.
Die belegten Unterschiede sind überschaubar:
- Grün gilt als etwas leichter und wetterstabiler, hat dafür mehr Liftfahrten. Der Verbund selbst nennt Grün als Lieblingsrichtung.
- Orange hat mehr Abfahrt und weniger Lift. Sie ist für Mittelstufe bis Fortgeschrittene eingestuft.
Die Runde insgesamt gilt als mittelschwer. Die Hauptstrecke besteht aus blauen und roten Pisten, schwarze Stücke sind in der Regel optionale Abstecher. Unsere Einschätzung, gestützt auf diese Beschreibungen: Für den ersten Versuch und für unsichere Wetterlagen spricht mehr für Grün, wer lieber fährt als liftet, nimmt Orange.
Liftfolge Station für Station
Eine offizielle, datierte Liftliste für 2026/27 gibt es nicht. Die folgenden Abfolgen sind das Grundgerüst der Runde. Einzelne Anlagen werden ersetzt, so wurde im Fodom bereits eine ältere Bahn durch eine Kabinenbahn abgelöst. Die Reihenfolge der Stationen bleibt gleich, egal wo du einsteigst. Hier ist Wolkenstein der Ausgangspunkt.
Orange (im Uhrzeigersinn)
- Wolkenstein: mit der Costabella-Bahn und dann dem Dantercepies-Sessellift hoch zum Grödner Joch.
- Grödner Joch nach Colfosco: breite, lange Abfahrt.
- Colfosco nach Corvara: Borest-Gondel. Sie ist eine reine Transportbahn, darunter liegt keine Piste.
- Corvara nach Campolongo: Boè-Kabinenbahn, dann rote Abfahrt zum Pass.
- Campolongo nach Arabba: Sessellift ab dem Pass, dann Abfahrt nach Arabba.
- Arabba nach Porta Vescovo: Funifor-Seilbahn oder Gondelbahn.
- Porta Vescovo zum Pordoijoch: Abfahrt ins Tal, dann mit der Fodom-Kabinenbahn hoch zum Pass.
- Pordoijoch zum Col Rodella: Abfahrt auf die Fassaseite, dann mit der Seilbahn auf den Rodella.
- Rodella zum Sellajoch: kurzer Ziehweg, danach Sessellift zum Joch.
- Sellajoch zurück nach Gröden: überwiegend blaue Pisten mit einzelnen roten Stücken über Plan de Gralba und Piz Seteur nach Wolkenstein. Eine Alternative führt über Piz Sella.
Grün (gegen den Uhrzeigersinn)
- Wolkenstein: Ciampinoi-Gondel, dann Abfahrt zum Plan de Gralba und Piz Seteur.
- Plan de Gralba zum Sellajoch: mit dem Sessellift und anschließend über die Querung durch die Steinstadt (Città dei Sassi).
- Sellajoch zum Pordoijoch: Abfahrt auf die Fassaseite, dort mit den Anlagen am Pian Frataces hoch zum Pass. Je nach Beschreibung heißen sie unterschiedlich.
- Pordoijoch nach Arabba: lange, panoramareiche Abfahrt.
- Arabba nach Campolongo: mehrere Sessellifte, dann Abfahrt zum Pass.
- Campolongo nach Corvara: weiter nach Corvara, je nach Beschreibung mit einem Sessellift.
- Corvara nach Colfosco: Borest-Gondel.
- Colfosco zum Grödner Joch: über Lifte hinauf zum Joch. Welche Kombination, ist je nach Beschreibung verschieden, folge hier einfach der Beschilderung.
- Grödner Joch zurück nach Wolkenstein: mit dem Dantercepies-Sessellift und anschließend Abfahrt nach Wolkenstein.
Zeitplan und Startzeit
Als Faustwert gelten rund sechs Stunden inklusive Pausen. Mal werden fünf bis sechs Stunden genannt, mal „mindestens sechs“. Unsere Empfehlung: Rechne eher mit dem oberen Ende, vor allem wenn du Mittag essen willst. Davon gehen etwa zwei Stunden auf Liftfahrten und rund anderthalb Stunden auf reine Abfahrt, der Rest sind Pausen und mögliche Wartezeiten.
Starte vor 10 Uhr. Wer es entspannter will, plant früher: Empfohlen werden auch 9 Uhr oder sogar 8:30 Uhr. Die wichtigste Regel für den Tag lautet: Sei bis etwa 15:30 Uhr am letzten Pass. Danach wird es riskant, weil die letzten Auffahrten schließen und du sonst nicht mehr zum Ausgangspunkt zurückkommst. Die Betriebszeiten der einzelnen Anlagen sind für 2026/27 noch nicht veröffentlicht. Sieh deshalb vor dem Start nach, wann die Anlagen an deinem Tag schließen, und behandle 15:30 Uhr als Obergrenze, nicht als Ziel.
Die Saison läuft planmäßig vom 4. Dezember 2026 bis zum 4. April 2027. In diesem Fenster sind alle vier Gebiete gleichzeitig geöffnet. Arabba plant zwar bis zum 18. April, für die komplette Runde hilft das aber nicht, wenn die anderen Gebiete schon geschlossen haben. Alle Termine sind Planwerte und hängen von Schnee und Wetter ab.
Voraussetzungen: Skipass, Helm, Können
Skipass: Für die ganze Runde brauchst du den Verbundpass Dolomiti Superski. Ein Talpass einzelner Gebiete deckt sie nicht ab. Als Richtwerte 2026/27 für Erwachsene in der Hochsaison: Tageskarte 89 €, sechs Tage 453 €. Die Hochsaison läuft vom 20. Dezember 2026 bis 9. Januar 2027 und vom 31. Januar bis 20. März 2027. Alles Weitere zu Preisstufen und Alternativen steht in unserem Skipass-Ratgeber für Südtirol. Prüfe die Preise vor dem Kauf auf den Seiten des Verbunds.
Helm: In Italien gilt seit dem Winter 2025/26 die Helmpflicht für alle auf Pisten, in Snowparks und auf Rodelbahnen. Trag den Helm also auf der ganzen Runde.
Können und Kondition: Du solltest sichere rote Pisten fahren und einen ganzen Skitag durchhalten, ohne bequeme Ausstiege. Für Anfänger ist die Runde nicht empfehlenswert. Wer sich herantasten will, fährt Teilstücke, etwa von Alta Badia aus Corvara und Colfosco. Eine offizielle Altersempfehlung für Kinder gibt es nach unserem Kenntnisstand nicht. Maßgeblich ist, ob sie sicher rote Pisten fahren und einen ganzen Tag durchhalten (unsere Einschätzung). Ein Tipp zum Schuh: Sechs Stunden mit Liftfahrten und Abfahrten sind eine Probe für schlecht sitzende Modelle. Wie du Passform und Flex prüfst, beschreibt unsere Anleitung zum Skischuhkauf.
Abstecher: Gran Risa, Saslong, Marmolada
Die Runde lässt sich erweitern, kostet aber Zeit. Plane Abstecher nur dann ein, wenn du früh dran bist.
- Gran Risa (La Villa, Alta Badia): Die Weltcup-Piste gilt als steilste der Gegend. Rechne mit mindestens einer Stunde Zusatzzeit und fahre sie nur bei frühem Start. Es gibt auch die Empfehlung, ganz darauf zu verzichten, weil die Rückkehr auf die Runde viel Zeit kostet.
- Saslong (St. Christina, Gröden): Der zweite empfohlene Abstecher. Die Saslong-Piste ist außerdem der Rückweg nach St. Christina.
- Edelweißtal (Colfosco): Zwei Lifte, rund 30 Minuten Zusatzzeit, ein schönes Panorama. Anfänger sollten Abstecher begrenzen.
- Sass Pordoi: Die Seilbahn startet am Pordoijoch. Oben gibt es keine Piste, die Ski bleiben unten.
- Marmolada: Sie ist kein Teil der Sellaronda, lässt sich aber von Arabba aus anhängen: über Porta Vescovo und zwei Sessellifte am Passo Padon, dann Abfahrt nach Malga Ciapela, rund 12 Kilometer lang. Von dort bringen dich drei Seilbahnsektionen bis zur Punta Rocca auf 3.269 Meter. Der Rückweg läuft über den Padon. Ob die Anlagen 2026/27 laufen und wann sie schließen, solltest du vorab klären.
Rückfahrt und Plan B
Wer rechtzeitig am letzten Pass ist, braucht keinen Bus, weil die Runde ein Kreis ist. In Gröden gibt es drei Rückwege: Nach Wolkenstein fährst du direkt auf Ski oder mit dem Skibus, nach St. Christina über Ciampinoi und die Saslong-Piste, nach Ortisei mit dem Ronda Express und über die Seceda.
Plan für den Fall, dass es nicht klappt: Bei Wind, Sturm oder Schneefall können Anlagen stoppen oder früher schließen, teils ohne Vorwarnung. Dann musst du die Runde abbrechen: Plane die Rückfahrt mit dem Skibus von Anfang an mit ein. Die Täler haben Skibusse, in Gröden gibt es außerdem Winter- und Linienbusse. Fahrpläne und Reichweite zu den Pässen sind für 2026/27 noch nicht veröffentlicht. Frag deine Unterkunft nach einem Shuttle, der nächsten Haltestelle und dem letzten Bus. In Alta Badia gibt es Taxis in jedem Ort. Kläre den Preis vorab, ein Taxi ist die letzte Option. Gerade am Nachmittag lohnt dieser Blick, denn dann schließen die ersten Anlagen.
Sellaronda Skimarathon 2027
Der Skimarathon führt ebenfalls um das Sellamassiv, ist aber ein Nachtrennen für Zweierteams mit Tourenski und Stirnlampe: 42 Kilometer mit rund 2.700 Metern Aufstieg. 2027 findet es am Freitag, 19. März statt. Der Austragungsort wechselt jährlich zwischen Corvara, Arabba, Canazei und Wolkenstein, 2027 ist es laut Organisator Arabba. Die Anmeldung öffnet am Montag, 11. Januar 2027, um 18 Uhr. Prüfe Start und Ziel vor deiner Planung beim Organisator. Wer an diesem Tag in der Gegend ist, erkundigt sich vorab beim Organisator, ob Pisten eingeschränkt sind.
Tipps und Kompromisse
- Wartezeiten einplanen: An den Aufstiegsanlagen kann es Schlangen geben. Meide Stoßzeiten und starte zeitig.
- Orientierung: Folge der Beschilderung und nutze die App „My Dolomiti“. Nimm zusätzlich einen Pistenplan mit.
- Richtung nach Wetter wählen: Bei unsicherem Wetter spricht mehr für Grün.
- Kompromiss Liftanteil: Grün bedeutet mehr Lift, Orange mehr Abfahrt. Wer lieber Kurven fährt als im Lift sitzt, wählt Orange.
- Kompromiss Zeit: Abstecher kosten Zeit: das Edelweißtal rund 30 Minuten, die Gran Risa mindestens eine Stunde. Wer 15:30 Uhr am letzten Pass halten will, streicht lieber einen Abstecher.
- Ausrüstung: Du fährst einen Tag lang überwiegend rote und blaue Pisten. Ob dein Ski dazu passt, klärt die Ski-Kaufberatung.
Fazit
Die Sellaronda ist ein langer, aber gut machbarer Tag für alle, die sichere rote Pisten fahren und Kondition mitbringen. Grün ist die entspanntere Wahl für den ersten Versuch, Orange bietet mehr Abfahrt. Aus unserer Sicht entscheidet vor allem die Uhr: früh starten, 15:30 Uhr am letzten Pass im Kopf behalten und einen Plan B für die Rückfahrt kennen. Prüfe Betriebszeiten und Termine kurz vor der Fahrt.
Zusammengestellt aus Angaben der Skigebiete, Tourismusverbände und Fachportale, Stand November 2026. Preise und Termine können sich ändern.


