Kultur & Genuss / Drinks & Alpine Bar-Kultur · Reportage

Jagertee, Glühwein, Hüttenschnaps: Was auf der Hütte ins Glas kommt

Zwei dampfende Tassen und ein kleines Schnapsglas stehen auf einem Holztisch einer Skihütte, draußen Schnee und Berge im Abendlicht

Nach dem letzten Lift und kurz vor der Dämmerung gibt es auf jeder alpinen Skihütte einen Moment, in dem die Wärme zählt. Dann dampfen Tassen auf den Holztischen, und drei Getränke teilen sich die Bühne: Jagertee, Glühwein und der Schnaps zum Abschluss. Sie wirken ähnlich, sind aber verschiedene Welten. Wer den Unterschied kennt, bestellt bewusster und trinkt mit mehr Genuss.

Jagertee: Tee mit Schuss

Jagertee ist ein heißes Getränk aus Schwarztee und Rum, das mit Gewürzen und Zucker abgeschmeckt wird. Die Namen Jagertee, Jägertee oder Jagatee dürfen nur für in Österreich hergestellte Produkte verwendet werden, in Deutschland heißt dasselbe Getränk meist Hüttentee oder Förstertee. Entstanden ist er als Wintergetränk für Jäger, Waldarbeiter und später Skifahrer, und das merkt man ihm an:

Was zum Jagertee gehört, ist weniger streng festgelegt, als der Name klingt. Die Grundzutaten sind schwarzer Tee, Rum und Zucker, dazu kommen je nach Hütte Rotwein, Obstler, Zitrusschalen, Nelken oder Zimt. Der Geschmack ist rumbetont, mit karamelligen, nussigen und fruchtigen Noten. Auf der Hütte wird er meist aus einem Konzentrat mit heißem Wasser oder Tee aufgegossen. Wer ihn selbst machen möchte, brüht Schwarztee, erhitzt ihn mit Orangenscheiben, Nelken, Zimt und etwas Rotwein und gibt zum Schluss den Rum dazu. Wichtig ist, dass der Sud nicht kocht: Ab etwa 78 Grad entweicht der Alkohol.

Glühwein: gewürzter Wein, kein Schnaps

Der Glühwein ist der Bruder, der auf jeder Hütte zu Hause ist. Rechtlich ist er klar definiert: Er wird aus Rot- oder Weißwein hergestellt, hat zwischen 7 und 14,5 Volumenprozent Alkohol und darf keinen zusätzlichen Alkohol enthalten. Deshalb ist ein „Glühwein mit Schuss“ eigentlich kein Glühwein, sondern ein Glühpunsch. Als Gewürze gelten Zimt, Nelken, Kardamom, Sternanis, Vanille, Ingwer und unbehandelte Zitrusschalen.

Zu Hause gelingt er so: Wein und Gewürze erhitzen, aber nicht aufkochen, dann mindestens eine halbe Stunde zugedeckt ziehen lassen und vor dem Servieren sieben. Zu starkes Erhitzen nimmt Aroma und kann den Glühwein bitter machen. Zu viele Gewürze überdecken außerdem den Wein, und zu viel Zucker macht ihn schwer. In Kontrollen von Weihnachtsmärkten wurde mehrfach falsch gekennzeichnet, etwa wenn Beerenglühwein als Glühwein verkauft wurde. Ein Blick auf die Bezeichnung lohnt sich also.

Der Schnaps: Gastfreundschaft im Stamperl

Zum Abschluss steht oft ein kleines Glas. Tirol hat eine lange Tradition der Edelbrände: Meisterwurz aus dem Zillertal, Enzian, Pregler aus Osttirol oder der Krautinger aus der Wildschönau, der nur dort aus Rüben gebrannt wird. In vielen Tiroler Häusern gilt es als unhöflich, einen angebotenen Schnaps abzulehnen, denn er ist ein Zeichen der Gastfreundschaft. Wichtig ist die Unterscheidung: Schnaps ist die allgemeine Bezeichnung für Hochprozentiges, ein Edelbrand entsteht aus sorgfältig ausgewählten, hochwertigen Früchten oder Wurzeln.

Auf vielen Hütten kommt der Zirbenschnaps dazu. Die noch nicht ganz ausgereiften Zapfen der Zirbe werden von Ende Juni bis Mitte Juli gesammelt und mit Alkohol angesetzt, mit Zucker und hochwertigem Korn, bis sich das Aroma entfaltet hat. Auf Hütten gilt er als Belohnung nach einer Tour, nach unserer Einschätzung schmeckt er harzig und würzig. Ob als Verdauungsschnaps nach einer Brettljause, wie in unserer Reportage zur Brettljause, oder als Abschluss, bleibt Geschmackssache.

Worauf du achten solltest

Zum Aufwärmen bei tiefen Temperaturen wird von alkoholischen Heißgetränken abgeraten. Dazu kommt: Alkohol senkt die Hemmschwelle für Risiken und beeinträchtigt die Koordination, in Verbindung mit Kälte kann das gefährlich werden, besonders auf Touren und bei der Abfahrt. Wer noch Ski fährt oder nach unten wandert, wählt besser Tee oder heiße Schokolade. Jagertee lässt sich auch alkoholfrei zubereiten, und Glühwein gibt es mit alkoholfreiem Wein.

Fazit

Jagertee, Glühwein und Schnaps gehören zur Hüttenkultur, jedes auf eigene Art: der Jagertee als süßer Wärmespender mit Rum, der Glühwein als gewürzter Wein, der Schnaps als Gruß zum Abschied. Wer sie kennt, bestellt mit Absicht und trinkt in Maßen.

Zusammengestellt aus Angaben von Spirituosen-, Wein- und Tourismusverbänden sowie Fachmedien, Stand Oktober 2026.